Der Haderholzstein 2
Es ist einer dieser Tage, an denen man immer wieder ungläubig in den Himmel schaut, weil es nicht heller wird. Einer dieser Tage, an dem unablässig, als seien die schweren Wolken nicht länger am Himmel zu halten, feiner dünner Regen auf die Erde rinnt. Einer dieser Tage an denen es früher als ohnehin schon im Herbst, dunkel zu werden beginnt.
Als ich am Nachmittag ankomme, sehe ich, dass der Parkplatz gesperrt ist. Es ist Herbst und in dieser Region Thüringens wird vom Sommer bis in den November hinein reihum in den Gemeinden Kirmes gefeiert. Auf dem Parkplatz hinter der alten Eisenbahnbrücke stehen verwaist und verschlossen Fahrgeschäfte, Bierbuden und ein großes Festzelt. Leiser Regen rinnt von der Zeltwand.
Ich stelle das Auto auf der anderen Seite des Baches ab und gehe über den steil ansteigenden Wiesenweg, der heute nass und schmierig ist. Der schwarze struppige Hund vom Gänsehof läuft am Zaun entlang und begleitet mich bellend. Ich durchquere den kleinen schütteren Wald und gelange zur Quelle. Die Bank glänzt vor Nässe und lädt nicht zum Verweilen ein. Ich fülle die Flasche und entscheide mich für den steil ansteigenden Weg vorbei am Gakenstein. Gleich nachdem ich den schmalen Gürtel niedrigen Waldes durchquert habe, hüllt mich Nebel ein. Die Regentropfen sind winzig aber fallen äußerst dicht. Ich folge dem kurzen planiertem Weg, der wenige Meter nach dem Hochsitz, von dem die Jäger bequem das Wild abknallen können, abrupt endet.
Hier beginnt der Aufstieg über den bewaldeten Steilhang. Zunächst hohes Gras und dazwischen versteckte Brombeerranken, die meine Hosenbeine eisern umklammern. In Serpentinen steige ich zwischen den hohen Fichten bergwärts, bis ich auf den horizontal verlaufenden Weg treffe. Er ist von einer steilen Böschung begrenzt, die mich daran hindert, direkt weiter nach oben zu gehen. Ich folge der Horizontale, um eine Stelle zu finden, an der ich über die Böschung gelangen kann. Plötzlich sind dunkle Schatten hinter dem Spalier der fingerdicken Buchen zu sehen. Massige Tierleiber bewegen sich durch den Hain zehn Meter neben mir. Im diffusen Licht des Nebels glänzt nasses Fell. Dumpfes Stampfen und Grunzen ist zu hören. Ich rühre mich nicht, um die Tiere nicht zu erschrecken. Dann gesteh ich mir ein, dass sie mich erschrecken. Nicht ihre Nähe oder Größe, sondern die Zielstrebigkeit und Unbeirrbarkeit, mit der zehn, zwölf Wildschweine grunzend ihrem Leittier folgen, ohne mich eines Blickes zu würdigen. Als sei ich unerheblich wie ein Grashalm am Wegesrand. Im nächsten Augenblick sind sie im Nebel verschwunden. Und ich weiß, dass ich für sie unerheblich bin. Keine Bedrohung. Vielleicht würden sie Geschmack an meinem Fleisch finden, sie sind Allesfresser. Aber sie mögen viel lieber Bucheckern und Eicheln. Was hatte ich erwartet, warum war ich fast enttäuscht darüber, dass sie nicht angehalten hatten, um mich staunend zu betrachten? Wenn ich auch nicht als Beute in Betracht kam und sie mich nicht fürchteten, warum hatten sie nicht dennoch das allergeringste Interesse für mich signalisiert?
Sie hatten mich gewittert und nur so getan, als ob sie mich nicht gesehen hätten? Doch wenn wir etwas von Tieren verstehen wollen, bringt es nichts, in menschlichen Kategorien zu denken. Ein Förster aus Winterstein wollte sich mit Wildschweinen gemein machen und wälzte sich mit ihnen im Schlamm. Was mögen die Tiere davon gehalten haben?
Hätten zehn Menschen ein einsames Wildschwein angetroffen, allein und zahlenmäßig unterlegen, schutzlos der Übermacht ausgeliefert – hätten sie sich nicht bedenkenlos darüber hergemacht? Um ihm das Leben zu nehmen und das Fell abzuziehen? Gewiss in früheren Zeiten! Als der Mensch in den grenzenlosen Wäldern und Sumpflandschaften ums nackte Überleben kämpfte und jede Möglichkeit nutzen musste, das Weiterbestehen seiner Horde, seiner Sippe, seiner Art zu sichern. Das ist ein berechtigtes und nachvollziehbares Motiv. Aber natürlich nur nach menschlichem Ermessen.
Wir haben uns so daran gewöhnt, dass niemand auf uns lauert. Wir gehen unsere breiten, in den Wald gefrästen Wege, weil wir wissen, es gibt kein Tier mehr, das uns etwas anhaben könnte. Wir haben sie alle vernichtet und vertrieben. Wolf, Bär, Luchs und viele andere mehr. Vielleicht ist die einzige Rechtfertigung dafür, dass ich hier sorglos gehen kann die Tatsache, dass die Wölfe zurückgekommen sind und wir sie nicht ausnahmslos töten. Bislang zumindest nicht. 2019 gab es in Deutschland etwa 900 Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere. So deklarieren die Autoren der Beratungsstelle zum Thema Wolf das Verhalten eines Raubtieres. Sie erwarten offenbar, dass sich ein hungriges Wildtier an Regeln hält, die wir Menschen gemacht haben. Dabei würde kein Wolf Schaf oder Ziege reißen, wenn diese ausreichend geschützt wären. Wenn es nicht so einfach wäre, eingepferchte Tiere zu töten, würden Wölfe das schwächste Glied aus der Rotte der Wildschweine reißen, die gerade an mir vorbeigezogen sind.
Ihre Stärke faszinierte mich, ihre Widerstandsfähigkeit gegen Wind, Kälte, Nässe. Ihre Gelassenheit, mit der sie ihren Weg gehen. Egal ob da ein durchweichter Zweibeiner am Wegrand steht. Offenbar hatten sie dringliches vor, ein starker Trieb bestimmte ihr Tun. Ich beschließe, mich einfach nicht so wichtig zu nehmen.
Die Horizontale führt mich ostwärts am Berghang entlang, bis zum höchsten Punkt des Weges. Warum soll ich ihm weiter talwärts folgen, wenn ich doch bergauf zum Gipfel will? Es gelingt mir über die steile Böschung nach oben zu klettern. Dann beginnt auch hier sehr dicht stehender junger Buchenwald. Wenn ich mich zwischen den schmalen, kaum drei vier Meter hohen Bäumen hindurchzwänge, regnen zusätzliche Ladungen Wasser auf mich herab. Die herbstlichen Kronen halten einiges für mich bereit.
Durchnässt lasse ich den Streifen Buchenwald hinter mir. Die Füße finden wenig Halt auf nassem Gras und Fichtennadeln zwischen Heidelbeersträuchern, die mir bis an die Knie reichen. Der Regen ist so fein, dass er lautlos in die Ärmel läuft. In den Halsausschnitt der Jacke und von dort weiter durch die Poren der Haut in meinen Körper hinein. Von unten steigt die Nässe auf. Aus hochstehendem Gras, Gesträuch und triefenden Zweigen. Die Hosenbeine saugen alles auf, was sie an Feuchtigkeit erreichen können, so dass mein Körper davon durchdrungen wird. Zumindest fühlt es sich so an. Wenn wir auch kein Fell haben, dass uns vor Feuchtigkeit und Kälte schützt, so ist doch immerhin unsere Haut wasserdicht. Das Problem ist eigentlich nur, dass wir Kleidung tragen müssen. Ich freue mich darauf, den Gipfel zu erreichen, zwischen den Buchen an einem hellen Feuer zu sitzen, das die nasse Kleidung und meinen Körper trocknen wird.
Als ich die Gipfelfelsen erreiche, ist mir warm. Die knorrigen Buchen des Plateaus sind im Nebel kaum zu sehen. Ich stehe zwischen den schwarzen Stämmen von denen Wasser rinnt. Als würden die letzten verblichenen Blätter den Widerstand gegen die Nässe aufgeben, taumeln sie schwerelos zu Boden. Ich stelle den Rucksack ab und mache mich auf die Suche nach trockenem Holz. Bei meinem letzten Besuch habe ich mehrere Depots von Feuerholz gefunden. Dicke gespaltene Fichtenscheite waren unter schützenden Planen vor dem Regen versteckt. Ich brauche zunächst trockene Zweige. Die ganz dünnen, die man in einer Hand knisternd zusammenballt, finde ich unter den mächtig ausladenden grünen Ästen der Fichten. Aber sie sind nass. Alles außer dem Holz unter der Plane ist nass. Doch die Brenndauer der braunen Würfel vom Feueranzünder reicht nicht. Die dicken Scheite wollen kein Feuer fangen. Schon bald ist der Anzünder aufgebraucht.
Beim Aufstieg habe ich unterhalb der Felswand eine große abgebrochene Fichte bemerkt. Freilich auch der Nässe ausgesetzt, aber feine, schmale Späne, vielleicht trockene an der Unterseite des gefallenen Riesen, so hoffe ich. Ich steige im Nebel über den Felsgrat und sehe schemenhaft die Splitter des Baumstumpfes aufragen. Tatsächlich ist da beinahe trockenes Holz und es gelingt mir, ein paar Späne abzubrechen. Beim Aufstieg sehe ich an einem Baum dicke Klumpen von herab geronnenem Harz. Ich löse einige Brocken mit dem Messer, wickle sie in ein Papiertaschentuch und stecke sie in die Hosentasche. Zuversichtlich erreiche ich wieder den Gipfel. Ich versuche, den winzigen Flecken auf dem Felsen des Haderholzsteins, auf dem die Harzklümpchen liegen, mit der Hand vor Nässe zu schützen. Wie eine kleine Pyramide sind die Fichtenspäne darum angeordnet. Ich betätige das kleine Rädchen am Feuerzeug. Schnell ist es von den vielen vergeblichen Versuchen erhitzt. Das Harz fängt an zu schmelzen, zögernd steigt eine kleine Flamme auf, der harzige Brocken fängt Feuer. Eine zweite Flamme züngelt zaghaft nach oben, erreicht einen der Fichtenspäne, der zu glimmen beginnt. Wie ein heißer Tropfen läuft an den Kanten des Fichtenspans die kleine Flamme hinauf – und verlöscht. Das Harz ist aufgebraucht. Das letzte Licht verloschen. Ich liege im Dunkeln auf den Knien, durch die nassen Hosen zieht die Feuchtigkeit in die Knochen. Von der Jacke, den Schultern und Armen rinnt leise das Regenwasser. Das Gipfelbuch! Es ist wasserdicht in einer Plastiktüte verschlossen und zusätzlich in einer Edelstahlkassette verwahrt. Ich öffne den Metallbehälter. Leise klirrt die Katte, mit der er am Baum fest gemacht ist. Vorsichtig nehme ich das Buch heraus, beuge mich darüber, um das Papier vor dem Regen zu schützen. Die letzten Einträge überfliege ich, dann reiße ich kompromisslos alle unbeschriebenen Blätter heraus, knülle sie in der Faust zusammen und stopfe sie unter meine Jacke. Wieder nehme ich vom hellen Holz der abgebrochenen Fichte, wie ein Indianerzelt, wie ein Wigwam steht zuversichtlich die kleine Pyramide. Darunter kommen die zusammengeknüllten Buchseiten. Jetzt das Feuerzeug. Langsam steigt die Flamme auf, wird tatsächlich größer, beginnt zu lodern, erfasst ein darüber liegende Papierknäuel und wie zuvor beginnen die trockenen Fichtenscheite an den Kanten zu brennen. Schnell lege ich dünne Fichtenäste nach, halte schützend beide Hände über die kleine Stelle Licht und Wärme. Zierliche Rauchkringel verflüchtigen sich im nassen Himmel. Dann ist es kalt.
Der Regen hat nicht nachgelassen, es ist, als würden nicht einzelne Tropfen fallen, sondern eine kompakte Wassermasse, ohne Abstand zwischen den einzelnen Feuchtigkeitspartikeln herabkommen und flächendeckend den Felsen die Bäume und alles um mich her durchtränken. Der Rucksack am Fuße des Baumes ist durchweicht. Darum herum Pfützen, die stetig größer werden, nasses Gras, und nasse Buchen, von deren Kronen unablässig Wasser tropft. Daneben triefende Fichtenzweige die ihre Finger nach mir austrecken.
Jetzt in der Dämmerung mit nasser Kleidung ins Zelt kriechen? Ohne Feuer? Ich schaudere bei dem Gedanken. Einen einzigen, allerletzten Versuch will ich wagen.
Nahe an der Kante der Felswand, die senkrecht hinabfällt, steht eine kleine Birke. Der Baum wirkt schütter, als habe er kaum Halt mit seinen Wurzeln in den schmalen Klüften und Spalten des Felsmassivs finden können. Seine einseitig mit Zweigen versehene Krone neigt sich über den dunklen Abgrund. Das besonderer Birkenharz, Betulin ist selbst bei Regen brennbar. Selbst bei miserablem Wetter ist es mir schon gelungen, Feuer zu entzünden, wenn es ausreichend Birken gab. Um an die Zweige dieser Birke zu gelangen, muss ich mich auf den schräg abfallenden Felsen sehr weit nach vorn zur Kante bewegen. Ich ziehe die Regenjacke aus, binde einen Ärmel an einen weiter obenstehenden Strauch und lasse mich so weit herab, dass ich ein paar der Zweige abbrechen kann.
Trotz Regen, obwohl alles ringsumher sich voll Nässe gesogen hat, brennen die Zweige tatsächlich. Ein paar Sekunden habe ich ein helles Feuer, aber nichts von den nachgelegten Spänen oder Zweigen brennt an. Und keine weitere Birke ist zu sehen. Ich sitze noch einen Moment und schaue dem Regen zu. Dort wo ich versucht habe ein Feuer zu entfachen, hat sich längst eine Pfütze gebildet, die langsam größer wird. Mir wird bewusst, wie ungeschützt, wie ausgesetzt wir dem Wetter sind, ohne die bescheidenste Behausung, ohne Feuer. Farblos und grau ist alles um mich her. Und in mir drinnen ist Beklommenheit und Kälte. Wo ist der Drang geblieben, mich der Natur auszusetzen? Was ist mit der Sehnsucht danach, mit dem wenigsten auszukommen? Ohne den alltäglichen Komfort nur eine einzige Nacht draußen zu verbringen? Die Rotte wilder Schweine zieht weiter durch die Nacht. Furchtlos in starker Gemeinschaft gehen sie unbeirrbar ihren Weg. Ein Licht, der flackernde Schein eines Feuers, das, was ich so sehr entbehre, würde sie erschrecken. Um das, wonach ich so sehr verlange, würden sie einen weiten Bogen machen. Sie brauchen kein Licht in der Nacht, sie haben Instinkte, eine geschärfte Wahrnehmung, die uns längst abhandengekommen sind. Vielleicht auch liegen sie dicht beieinander in wonnigem Schlaf.
Aus dem Tal wehen verwaschen Klänge von Musik herauf. Ich denke an die Lichter der Kirmes. Ahne die Verlockung der fernen Insel von Wärme und Licht und kann nicht widerstehen.
Draußen sein wird von der Freizeitindustrie als etwas Großes und Erstrebenswertes dargestellt. Draußen wartet immer nur das Abenteuer niemals Entbehrung, Kälte, Einsamkeit.
Die Begriffe draußen und drinnen fanden wohl Eingang in unseren Sprachschatz als die ersten unserer Vorfahren trockene Höhlen entdeckten, die im besten Falle auch noch über einen natürlichen Rauchabzug verfügten. Bis heute jedoch verwenden die Menschen überaus viel Energie dafür, dass Draußen vom Drinnen zu trennen. Fenster, Türen, Mauerwerk müssen gesetzlichen Normen entsprechen, die verhindern, dass die drinnen erzeugte Wärme nach draußen gelangt. Frost und Schnee, Kälte, Regen, Sturm und Hitze haben wir damit ausgesperrt. Wenn wir uns immer weniger den Reizen der Witterung aussetzen, verlieren wir unsere Widerstandskraft. Draußen sein, so hochgeschätzt, und längst käufliche zu erwerbendes Gut, war sehr lange unsere Daseinsform, an die wir auch ohne Fell bestens angepasst waren. Jetzt wird es als Attraktion gehandelt. Und natürlich können wir nicht hinaus ohne extra Kleidung für jede Aktivität.
Es ist fast vollständig Nacht, als ich zusammenpacke. Die Sicht verschlechtert sich rasant und ich bin unendlich erleichtert über meinen Entschluss, den heute so unwirtlichen Ort zu verlassen.
Beim Abstieg geben mir die jungen Buchen Halt. All ihre Wasser regnen sie auf mich herab, wenn ich mich daran festhalte. Doch nasser kann ich nicht mehr werden. Immer näher dringt aus dem Tal die Musik der Kirmesfeier zu mir herauf. Als ich am Auto angekommen bin, stehe ich minutenlang zögernd neben dem Wagen. Den Rucksack habe ich schon in den Fußraum auf der Beifahrerseite gestellt. Ich brauche nur einsteigen, den Schlüssel im Schloss drehen – und das Auto wird mich zuverlässig nach Hause bringen. Dorthin wo Wärme und Licht mich umgeben. Doch hier ist etwas anderes.
Es sind nur ein paar Schritte über die Brücke zum Festplatz. Seit Stunden habe ich keine Flüssigkeit zu mir genommen. Dort wo der nasse Wiesenweg abzweigt, steht ein Wagen, von dem Getränke verkauft werden. Er ist nicht so frequentiert, wie die anderen, an denen Menschentrauben kleben. Als ich einen durchweichten Geldschein aus meiner Hosentasche ziehe, stürzt eine Schar lachender Frauen aus dem nahen Eingang des Festzeltes. Sie haben erhitzte Gesichter, tragen Dirndl und bunte Blusen, aus denen nackte Arme herausschauen. Meine Kleidung dampft unter dem Heizstrahler, die Hosenbeine sind schlammverkrustet. Unentschieden zwischen Mitgefühl und Spott sehen die Frauen zu mir. Sie trinken aus und schwirren ins Zelt zurück. Kreischen und Johlen dringt daraus hervor. Ich stelle mein Glas ab und nehme das Wechselgeld, das auf dem Tresen liegt. Der Geruch von Fröhlichkeit und schwitzenden Menschen weht mich aus dem Zelteingang an.
Zu Hause hänge ich die Sachen zum Trocknen auf. Ich denke an die Stille und Einsamkeit auf dem Gipfel. Den Hain vom Wind geformter Buchen. Als mir unter der Decke warm geworden ist, stehe ich noch einmal auf und öffne die Balkontür. Ich höre das satte Rauschen, mit dem die Tropfen auf die Wasserfläche des Burgsees fallen. Blesshühner rufen sich nächtliche Botschaften zu. Der Raum mit den bodentiefen Fenstern zum See ähnelt einer Höhle am Berghang. Ich habe nur kein Feuer. Aber jetzt brauche ich keins.
(Auszug aus „Aufzeichnungen eines Waldläufers“)
Michael Kriegel
Nature Writing
Michael Kriegel
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